Infos zur Wichtigkeit von Spielflächen für Kinder

Grundsätze für Planung, Gestaltung und Unterhaltung öffentlicher Spielplätze in der Stadtgemeinde Bremen

Aus der Präambel der Grundsätze für Planung, Gestaltung und Unterhaltung öffentlicher Spielplätze in der Stadtgemeinde Bremen, April 2015. Den gesamten Text findest Du hier

Kinder- und Jugendliche wollen nicht nur spielen, sie haben sogar ein Recht darauf! In Artikel 31 der Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen ist das Bedürfnis nach Bewegung und Freiraum festgehalten. Es soll garantieren, dass immer und überall Orte zum Spielen sind. Kinder und Jugendliche haben daher ein Recht auf Beteiligung und Mitgestaltung. Dieses Recht gehört zur Basis unserer Demokratie und wurde in den letzten Jahrzehnten in zahlreichen internationalen und nationalen Gesetzestexten festgeschrieben.

Doch nicht nur die Kinder und Jugendlichen erfahren einen Zugewinn. Auch für die am Prozess beteiligten Erwachsenen in Institutionen, Politik und Verwaltungen eröffnet eine qualitativ abgesicherte Partizipation wertvolle Erkenntnisse. Wenn sie Kinder und Jugendliche als Expertinnen und Experten in eigener Sache ernst nehmen, gewinnen sie wichtige Einsichten in die Lebenswirklichkeit der jungen Generation, wodurch z.B. Planungen und Entscheidungen passgenauer werden.

Aus entwicklungspysiologischen und – psychologischen Erkenntnissen ist abzuleiten und daher unabdingbar, dass Heranwachsende ausreichend Möglichkeit haben müssen sich im öffentlichen Raum und auf eigens für sie geschaffenen Flächen aufzuhalten. Die öffentlichen Spielplätze sollten daher im Kontext des Ortsteiles betrachtet und geplant werden, da Kinder und Jugendliche vor allem innerhalb des Wohnquartiers ergänzende Streifräume und Aufenthaltsmöglichkeiten benötigen, die sie gefahrlos erreichen können. Um der nachwachsenden Generation ein Aufwachsen in gesundem und sozial ausgeglichenem Umfeld zu ermöglichen, ist es notwendig, dass Verbesserungen des innerstädtischen Lebensraumes angestrebt werden – nur so kann vielen der Probleme, die bei Kindern heute vermehrt auftreten entgegengewirkt werden.

Die gleichberechtigte Teilhabe von Mädchen und Jungen am öffentlichen Leben ist wichtiges und bisher nicht erreichtes Ziel. Der öffentliche Raum gestaltet soziale Wirklichkeit. Öffentliche Spielplätze müssen so gestaltet sein, dass sie für Mädchen und Jungen gleichermaßen ansprechend, besetzbar und nutzbar sind.

Auszüge aus der Antwort des Senats auf die Kleine Anfrage der Fraktion der CDU vom 17. November 2015 "Wie ist es um Bremens Spielplätze bestellt?"

Die Fraktion der CDU hat folgende Kleine Anfrage an den Senat gerichtet: "Für die Entwicklung von Kindern ist das Spielen an der frischen Luft von besonderer Bedeutung. Wesentliche motorische, kognitive und kreative Fähigkeiten werden durch Erlebnisse auf Spielplätzen und Bolzplätzen geprägt. Gerade in der heutigen Zeit in der viele Kinder von Medienkonsum, Bewegungsmangel und dem Aufenthalt in den eigenen vier Wänden geprägt sind, kommt deshalb dem Spiel- und Bolzplatz um die Ecke eine besondere Bedeutung zu. Kinder und Jugendliche können dort gefahrlos rennen, toben und spielen. Auch soziale Kompetenzen können dort im Spiel mit anderen erworben oder ausgebaut werden.

Insbesondere in einer Großstadt wie Bremen ist es deshalb notwendig, dass ausreichend Spielflächen zur Verfügung stehen. Zudem muss auch gewährleistet sein, dass sich die Spielgeräte in einem Zustand befinden, der unfallfreies Spielen von Kindern und Jugendlichen aller Altersklassen zulässt. Dazu müssen Spiel- und Bolzplätze regelmäßig kontrolliert und die Geräte entsprechend instand gehalten werden. Auch gegen eine zunehmende Vermüllung muss vorgegangen werden.

1. Wie viele Spiel- und Bolzplätze stehen in Bremen in welchen Stadtteilen zur Verfügung? Wie viele davon sind öffentlich zugänglich und wie viele befinden sich auf Schul- oder Kindergartengelände? (bitte um Auflistung nach Standort und Größe)

In Findorff: 4 Spielplätze, 2 Bolzplätze, zusätzliche Flächen nach 2010: 1 Sanierung (21 Stadteile, in davon 14 neue Flächen), Wegfall von Flächen seit 2010: keine

3. Wie viele Spiel- und Bolzplätze sind seit 2010 neu errichtet worden, oder befinden sich in Planung? Wie viele erneuerungsbedürftige Spielplätze wurden in diesem Zeitraum mit welchen Kosten saniert? Wie viele Spielplätze sind seit 2010 geschlossen worden? Sind in den kommenden vier Jahren Neueröffnungen oder Schließungen von Spielplätzen geplant und wenn ja, wo?

Jedoch entstanden, im Wesentlichen in Neubaugebieten, zehn zusätzliche Spiel- und Ballspielplätze, sowie drei zusätzliche Spielgelegenheiten im öffentlichen Grün.

Im Rahmen der Umsetzung Integrierter Entwicklungskonzepte der Städtebauförderung werden in den kommenden Jahren insbesondere in Huckelriede, Gröpelingen, Huchting, Schweizer Viertel weitere Spielplätze entstehen bzw. vorhandene Spielplätze erneuert.

Antwort des Senats auf die Kleine Anfrage der Fraktion der CDU vom 17. November 2015 "Wie ist es um Bremens Spielplätze bestellt?" (pdf)

Deutsches Kinderhilfswerk warnt vor Verlust von Spielflächen für Kinder

Das Deutsche Kinderhilfswerk warnt vor einem unwiederbringlichen Verlust von Spielflächen für Kinder in vielen deutschen Städten und Gemeinden. Denn derzeit verstärkt sich in zahlreichen Kommunen der Trend, dass seit Jahrzehnten bewirtschaftete Spielplätze teilweise oder vollständig rückgebaut oder gar in Bebauungsplänen festgesetzte Spielflächen zu Bauland erklärt und veräußert werden. Zudem werden viele informelle Spielräume, wie zum Beispiel Brachflächen trotz hohem Spielwert zunehmend dem Neubau von Gebäuden und Straßenverkehrsmaßnahmen geopfert. Die Rechte und Bedürfnisse von Kindern werden im Zuge von Stadtplanungsprozessen heute regelmäßig schlichtweg ignoriert. In einer gemeinsamen Resolution fordert deshalb das Deutsche Kinderhilfswerk gemeinsam mit seinen Partnern im Beirat für das "Bündnis Recht auf Spiel" und der Deutschen Gartenamtsleiterkonferenz die Kommunen auf, Kindern weiterhin in ausreichendem Maße sichere, gut vernetzte und erreichbare Spielräume zur Verfügung zu stellen.

"Wir müssen die weitere Verdichtung und Versiegelung unserer Städte vermeiden, soweit dabei für Kinder und Jugendliche wichtige Freiflächen und Spielmöglichkeiten verloren gehen. Auch die Stadtplanung hat sich laut UN-Kinderrechtskonvention am Vorrang des Kindeswohls zu orientieren. Das macht zuvorderst die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen und die Herstellung kindgerechter Lebensbedingungen als Leitlinien in der Stadtgestaltung notwendig. Nur so kann eine ganzheitliche und vor allem nachhaltige Entwicklung der Städte und Gemeinden gewährleistet werden, in denen sich Kinder und Jugendliche wohl fühlen", betont Holger Hofmann, Bundesgeschäftsführer des Deutschen Kinderhilfswerkes.

"Spielflächen haben auch eine nicht zu unterschätzende soziale Bedeutung. Sie sind die Orte wo zwischen Kindern und deren Eltern die ersten Kontakte in den Quartieren geknüpft werden. Dies gilt ganz besonders auch für unsere Migranten", sagt Hans-Peter Barz vom Arbeitskreis "Spielen in der Stadt" der Deutschen Gartenamtsleiterkonferenz.

In ihrer gemeinsamen Resolution sprechen sich das Deutsche Kinderhilfswerk, der Beirat des "Bündnis Recht auf Spiel" und die Deutsche Gartenamtsleiterkonferenz dafür aus, in allen Kommunen ein Spielflächenentwicklungskonzept und eine Spielleitplanung zu entwickeln und zu beschließen. Daran müssen Kinder und Jugendliche mit geeigneten Methoden beteiligt werden.

Neben ihrer Bedeutung als wichtige Flächen für Spiel und Bewegung sind Spielflächen auch für das Stadtklima, die Biodiversität, die Gesundheitsvorsorge im Sinne der Bewegungsförderung und für einen sozialen Ausgleich im Quartier von besonderer Bedeutung. Denn im Rahmen stadträumlicher Segregationsprozesse konzentrieren sich in vielen Kommunen einkommensschwache Bevölkerungsschichten in Quartieren mit städtebaulichen Missständen. Zur Kompensierung von Mehrfachbelastungen der in diesen Quartieren lebenden Kinder und Jugendlichen müssen Maßnahmen zur Sicherung, Weiterentwicklung und Neuschaffung von Spielräumen in den benachteiligten Quartieren deshalb schwerpunktmäßig gebündelt werden. Die Bundesländer sind aufgefordert, gesetzliche Regelungen zur Erstellung von beteiligungsorientierten Spielflächenkonzepten zu verabschieden, die eine Versorgung mit ausreichenden und qualitätvollen Spiel-, Bewegungs- und Aufenthaltsflächen sicherstellen.

Die Resolution "Kein Rückbau von Spielflächen" und ergänzende Handlungsempfehlungen zum Thema "Sanierungsstau auf kommunalen Spielplätzen - Rückbau als Ausweg aus der Krise?" finden sich unter www.dkhw.de/kein-Rueckbau-von-Spielflaechen